Yom Ha‘Azma‘ut & Yom Al-Nagba

Der Abend vom 9. auf den 10. Mai war der Übergang zweier wichtiger Tage in der israelischen Gesellschaft. Am neunten Mai wurde Yom Hasikaron, der Soldatengedenktag begangen. Es wurde, unter anderem mit zwei Sirenen, einmal am 8. Mai abends (weil die Tage nach jüdischem Kalender immer abends beginnen) sowie am 9. um 11 Uhr, den Gefallenen aus allen Auseinandersetzungen um den Staat Israel gedacht. Das schliesst auch die Gefallenen vor der Staatsgründung ein. Fast 23.000 Menschen sind bisher in Kriegen um das Land Israels gefallen. Darunter, das hat Shimon Peres bei seiner Rede auf der offiziellen Gedenkveranstaltung betont, auch Muslime, Christen und Drusen. Damit sollte ein Ausschluss der arabischen Gefallenen beim Gedenken widerlegt sein, als einen solchen man den ganzen Tag hätte deuteln können. Vom Abend an gab es kein „unterhaltendes“ Fernsehprogramm mehr, nur einen Film über die Geschichte der IDF (Israeli Defense Forces), ansonsten Kerzen und einen Namensliste, die den ganzen Tag alle drei Sekunden einen neuen Gefallen anzeigt. Laute Musik sowie jeglicher Spass war verpönt.

Am Abend ging der Trauertag in einen Jubeltag über: den Unabhängigkeitstag. Fast jeder Haushalt hat die grossen Fahnen ausgerollt, an vielen öffentlichen Einrichtungen finden sich riesige Banner, welche den blauen Davidstern zwischen blauen Balken auf weissem Grund zeigen. Vielerorts wurde der Tag mit einem Barbecue begonnen. An diesem Tag werden 10% des gesamten jährlichen Fleischverbrauchs verzehrt. Man kann sich also vorstellen, in welchen Grössenordnungen die Portionen anzusiedeln sind.

Auch in den Städten gab es vielerorts Bühnen, Stände, Spass für Familie und Erwachsene. Die Menschen waren bis in die späte Nacht unterwegs, besprühten sich mit Schaum und feierten den Erfolg des Zionismus.

Nationalismus ist tendenziell eher kritisch zu sehen. Natürlich liegt dem Zionismus eine jahrhundertelange Tradition des Antisemitismus zu Grunde, nicht zuletzt auch die versuchte Vernichtung des Judentums. Dennoch bergen nationalstaatliche Ideen auch Gefahren, besonders in der Region, die am Neutralsten wohl als südliche Levante zu bezeichnen ist.

Denn hier stossen der Zionismus und das Nationalempfinden der Palästinenser aufeinander. Während am 10. Mai die Freude über den Staat Israel zur Schau getragen wurde, haben gestern einige den „Tag der Katastrophe“ (yom il-nagba) begangen. Einige palästinensische Flüchtlinge, die teilweise immer noch unter katastrophalen Umständen im Libanon und Syrien leben, haben versucht, die Grenzen zu überqueren, um in ihr „Heimatland“ zurückzukehren. Auch an den anderen Grenzpunkten, zur Westbank und zum Gazastreifen, gab es Zwischenfälle. Insgesamt gab es 20 Tote und hunderte Verletzte.

All dies muss doch endlich ein Zeichen sein, den Friedensprozess zu beschleunigen, eine Zweistaatenlösung zu finden und den Frieden der in diesen Tagen so unberechenbaren Region einen Schritt voranzutreiben!

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4 Antworten auf „Yom Ha‘Azma‘ut & Yom Al-Nagba“


  1. 1 ربيكا 25. Mai 2011 um 15:44 Uhr

    „Na­tür­lich liegt dem Zio­nis­mus eine jahr­hun­der­te­lan­ge Tra­di­ti­on des An­ti­se­mi­tis­mus zu Grun­de“ ist eine echt schräge Formulierung, die man auch falsch verstehen kann, wenn man sich nciht so auskennt….Wikipedia schreibt „Der Zionismus entstand unter dem Eindruck des zunehmenden Antisemitismus gegenüber der jüdischen Diaspora“. Das klingt dann doch irgendwie logischer, oder?

  2. 2 ربيكا 25. Mai 2011 um 15:45 Uhr

    Ansonsten schöner Artikel und gut, mal wieder was von dir zu hören!

  3. 3 bedouinteacher 04. Juni 2011 um 16:45 Uhr

    nö, irgendwie klingt das nicht logischer. und ich glaube, ich würde kein juu in deinen namen schreiben

  4. 4 ربيكا 06. Juni 2011 um 18:19 Uhr

    Hab ich aber so gelernt im Arabischkurs :)

    Und nochmal zur Formulierung: In deinem Text scheint es durch das Wort „zu Grunde liegen“ (http://www.duden.de/rechtschreibung/zugrunde) so, als hätte der Zionismus seine Wurzeln im Antisemitismus, als wäre der Zionismus daraus hervorgegangen, eine Weiterentwicklung davon. Und das wolltest du doch sicher nicht ausdrücken, oder?

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