Pessach, Hitze und Jericho

Einige Zeit ist vergangen seit dem letzten Eintrag auf diesem Blog. Natürlich ist auch einiges passiert, von dem ich hier nur ausschnitthaft berichten kann. In der Woche vor Ostern begann mit dem Sederabend das jüdische Passahfest (auf Hebräisch פסח = Pessach), mit dem dem Auszug aus Ägypten gedacht wird. (Nachzulesen in 2. – 5. Mose, speziell das Buch Exodus sowie die Hagaddah) Damit war die erste jüdische Diaspora beendet worden. Zur Erinnerung des Darbens in der Wüste, wo man kein Brot gehabt habe, wird in Israel alles kascher lepessach (כשר לפסח = koscher für Pessach) gemacht, das bedeutet, dass alle Produkte, die mit Hefe oder ähnlichem in Berührung gekommen sind, aus dem Haushalt entfernt werden. Bei grossen Einrichtungen wäre das nahezu unmöglich, sodass Universitäten etc. geschlossen bleiben. Desweiteren bedeutet kasher lepessach, dass es während der Pessachwoche kein Brot, Bier, Cornflakes etc. zu kaufen gibt (zumindest in Läden, die die strengen Vorschriften befolgen; arabische und russische Läden tun das tendenziell nicht). Als Ersatz für Brot gibt es mazza, eine Art Knäckebrot, welches aus dem speziellen Mazemehl gemacht wird und eigentlich nach nichts schmeckt. Besonders in Jerusalem werden die kashrut-Regeln für Pessach gewissenhaft eingehalten, weshalb meine Gäste aufgejubelt haben, als Pessach letzten Dienstag endlich vorbei war.

In der Zeit zwischen Pessach und Shawuot, welches ca. sieben Wochen nach jenem begangen wird, scheint traditionell ein besonderes Klima zu herrschen. Es wehen heisse Winde aus der arabischen Sandwüste herüber, welche heisse Luft, viel Staub und Wolken mit sich bringen. Dabei hat man, so wie heute, bei bedecktem Himmel 37° Celsius. Die Araber bezeichnen diese Phase als Chamsien ( خمسين = fünfzig), was befürchten lässt, dass es noch einige Wochen so weiter geht.

Letztes Wochenende war in am Shabbat, wenn in Jerusalem nichts zu machen ist, in Jericho. Wir mussten von der WG mit dem Taxi ans Damaskustor fahren, ein nördliches Altstadttor, an welches sich das palästinensische Ostjerusalem anschliesst. Von dort fuhren wir mit einem Bus nach Abu Dis (ابو ديس), um dort mit einem Taxi weiter in die angeblich älteste Stadt der Welt zu fahren. Wir fanden bei unserem Ausstiegsort neben vielen Sammeltaxis nur ein „normales“, welches uns den ganzen Tag begleiten sollte. Der Fahrer sprach kein Englisch, sodass mein gebrochenes Arabisch unsere einzige Kommunikationsmöglichkeit war, da Hebräisch zu sprechen in den palästinensischen Gebieten nicht angeraten wird.
So fuhren wir mit unserem Fahrer an einen Aussichtspunkt des Wadi Qelt, einem Aussichtspunkt in eine Oase, die sich durch ein Tal in dem ansonsten trockenen Gebiet zieht, von da aus weiter über eine hässliche Skulptur auf Meeresspiegelhöhe zur muslimischen Grabstätte von Moses, dem Nabi Mussa (النابي مسا). Diese war, trotz seiner eher hohen Bedeutung für die Muslime, eher enttäuschend. Nur einige Devotionalienhändler hingen dort rum, ebenso zwei Kamele. Die Moschee war eher nicht pompös und auch die Grabstätte an sich war nicht mehr als eine kleine Gruft auf einem Geröllhügel. Dafür, dass Moses als Prophet gesehen wird (okay, es gibt 125.000 Propheten im Islam) eher bescheiden.

Genauso verhielt es sich mit Jericho an sich. Die Stadt war weit ausgedehnt, beherbergte aber bei weitem nicht so viel Interessantes wie der klangvolle Name zu hoffen gibt. Es gibt eine Seilbahn auf den Hügel, wo irgendein Palast sich erhebt, die zu benutzen allerdings den Rahmen eines Freiwilligengehalts sprengt. Daneben waren wir in zwei archäologischen Parks, von denen einer so aufbereitet war, dass man als Laie überhaupt nichts kapiert hat, der andere dagegen einige schöne Rekonstruktionen von alten Kultgebäuden bot.

Das dicke Ende kommt am Schluss: der Taxifahrer hat uns 80 Euro (400 Shekel) für die fünf Stunden, die wir unterwegs waren, abgenommen. Vergleichbare Fahrten haben unsere Kollegen knapp die Hälfte gekostet. Man merkte: ungenügende Sprachkenntnisse und Hartnäckigkeit führen zu einer deutlich verdünnten Geldbörse.

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