Ein grandioser Tag am See Genezareth

Nach meiner Reise nach Deutschland und zwei Wochenenden, die ohne viel Berichtenswertes verstrichen sind, stand am vergangenen Wochenende ein Trip in den Norden auf dem Programm. Tiberias hiess das Ziel, eine Stadt am Südufer des See Genezareth, einer der Haupttrinkwasserquellen Israels.


Der Ausblick von den unglaublich grünen Hügeln hinunter zum See


Wir hatten uns ausgemacht, uns in Tiberias zu treffen, am Freitag Nachmittag, kurz bevor der Busverkehr auf Grund von Shabbes eingestellt würde. Johannes und ich kamen aus Richtung Tel Aviv (wohin ich bereits am Donnerstag fuhr), während Jan und Jakob die Busfahrt in Jerusalem angetreten hatten. Um kurz vor fünf trafen wir – relativ zeitnah – in Tiberias ein.

Wir hatten vier Schlafsäcke, drei Isomatten, zwei Fleecedecken, zwei Zelte, einen Metalltopf und einiges an Verpflegung, sowohl fester als auch flüssiger Konsistenz, dabei. Da die Freiwilligenunterkunft sowie die Jugendherberge in Tabgha (wo Jesus das Wunder der Speisung der 5000 vollbracht haben soll) wegen einer Grundreinigung bis Anfang Februar geschlossen haben (sic!), haben wir uns entschlossen, es so zu machen wie bei unserem Besuch des Toten Meeres. Wir sind einfach drauflos gelaufen und haben uns ein gemütliches Plätzchen gesucht, um unsere Zelte aufzuschlagen.

Johannes hatte die Information, dass es nördlich von Tiberias einen Strand gebe, welche sich hervorragend für unsere Zwecke eignete. So liefen wir also los, während es bereits dunkelte. Wir hatten weder eine Karte noch einen Plan, wie weit besagter Strand sein würde. Was wir wussten war, dass, wenn wir in Tiberias am Ufer stehen, wir uns nach links ausrichten müssen, um Richtung Norden zu laufen. So begann das Abenteuer.

Nach wenigen Minuten waren wir aus der Stadt herausgelaufen. Da mein Rucksack nur sehr klein ist, habe ich Zelt und Schlafsack mit Bindfaden aussen angebracht. Das wurde schon nach wenigen Minuten nervig, da der Schwerpunkt sich somit ziemlich weit oben befand und schnell den Rücken beanspruchte.

Wir liefen also immer halbwegs nahe am Wasser entlang, in der Hoffnung, den besagten Strand zu finden. Nach einiger Zeit war am Wasser nur noch abgesperrtes Gebiet zu finden, kein freies Plätzchen mehr. Es war schon ziemlich dunkel, wir beschlossen jedoch, noch ein wenig weiter zu laufen. Nachdem wir uns todesmutig in Dunkelheit einen steilen Hang hinab gewagt haben und auf einer Betonmauer sitzend von Angestellten des nahen Wasseraufbereitungswerkes gefragt wurden, wohin wir denn gingen, fanden wir es: Das optimale Plätzchen zum Zelten. Direkt am Ufer, unterhalb der Strasse, ergo von dort aus nicht zu sehen, zelteten wir Zwischen Gestrüpp auf einem kleinen Abschnitt Sandboden. Wir suchten Holz und machten ein Lagerfeuer. Dann kan der mitgebrachte Stahltopf zum Einsatz: ihn stellten wir auf ein Gitter, das wir gefunden hatten. Gefüllt mit Seewasser, war er die Grundlage unseres köstlichen Abendessens: Spirelli, die erst gekocht, dann mit Tomatenmark und Bohnen verfeinert wurden. Später gab es auch noch im Feuer gebackene (Süss-)Kartoffeln.

Am nächsten Tag nahmen wir ein erfrischendes Bad im kühlen See, kochten Kaffee, packten zusammen und begaben uns auf dem Weg nach oben. Der See liegt etwas 300 Meter unter dem Meeresspiegel, weil jährlich enorme Wassermengen verdunsten, und ebenso enorme Mengen abgepumpt werden, um Trinkwasser zu haben. So ist er rundherum umgeben von Hügeln, die zwar unter dem Meeresspiegel liegen, aber dennoch erstaunlich hoch und steil sind. Wir hatten uns nun vorgenommen, den einen Felsen, der quasi über unserer Campingstelle thronte, zu erklimmen.


Rückansicht von mir auf einem entspannteren Stück des Hügels; am linken Bildrand ist Tiberias zu sehen

Nachdem wir unsere Wasserflaschen mit Seewasser (nur ein paar Teilchen schwammen drin herum) gefüllt hatten, ging es bergauf. Wir mussten zuerst einen Zaun überwinden, konnten dann aber stetig bergan steigen. In den „höheren“ Gefilden wurde das Gelände auch mitunter steinig und von Dornensträuchern gesäumt. Nach ca. drei Stunden Aufstieg (währenddessen wir auch eine Höhle entdeckt haben, in der, anhand der herumliegenden Zeitung zu urteilen, 1994 jemand geweilt hat) hatten wir den Fels erreicht. Die Aussicht war atemberaubend.

Der Abstieg erwies sich als leichter denn der Anstieg, denn wir hatten Wege erreicht, die offensichtlich touristisch erschlossen waren. Auf dem Weg zurück nach Tiberias kamen wir noch an Zitrusplantagen vorbei, die uns grosszügig mit Blutorangen und Pampelmusen versorgten. Bei der Ankunft in Tiberias lechzten wir nach etwas Schmackhaftem zu trinken (das Seewasser war mit der Zeit doch fade geworden), waren zwar ausgelaugt, aber durchaus zufrieden. Mit einem gemeinsamen Mahl in einem Restaurant an der Strandpromenade nahm ein toller Trip sein Ende.


Geschafft: Auf dem Felsen, welchen wir zu erklimmen uns vorgenommen hatten, angekommen!

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1 Antwort auf „Ein grandioser Tag am See Genezareth“


  1. 1 Kate 25. Januar 2011 um 23:28 Uhr

    Ich erlaube mir zwei kleine Dinge zu anzumerken.
    1) Der See ist mit 212 m (nicht 300!) unter dem Meeresspiegel der tiefstgelegene Süßwassersee der Erde.
    2) Die Stadt Tiberias (eine der vier heiligsten jüdischen Städte in Israel) liegt am WESTUFER des Kinneret.

    Ansonsten hört es sich aber so an, als wenn ihr Jungs ein schönes Wochenende gehabt hättet. Jofi!
    LG, Kate

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