انا كونت في حيفا

(Arabisch; Transkription: aná kúnt fii heefa; Übersetzung: Ich war in Haifa)

Haifa fehlte mir noch auf meiner „Die drei grössten Städte Israels besuchen“-Liste. Am Donnerstag konnte ich hinter die Buchstaben Chet, Iod, Pey, Hey – so wird Haifa auf Hebräisch geschrieben – ein Häkchen machen. Nach einem aufregenden Tag (Katharina – effektiv meine Chefin – besuchte mich in Rahat und redete ein ernstes Wörtchen mit Shahar Hadash, der Organisation, welche mein Projekt betreut, über die Finanzen; ich hielt die erste Stunde Deutschunterricht mit Überlebenden aus Tschernowitz und hatte mein Essen im Kühlschrank vergessen) sass ich mit gefühlten 1000 Soldaten und 200 Zivilpersonen im Zug Richtung Norden. Als ich in Haifa ankam, bin ich direkt eine Haltestelle zu spät ausgestiegen und musste noch eine dreiviertel Stunde an der Haltestelle bzw. im Bus sitzend verbringen, bis ich die Strasse, in welcher die Freiwilligen in Haifa wohnen, erreicht hatte. Bis ich ihre Wohnung tatsächlich betreten hatte, vergingen weitere 15 Minuten (das lag an der Unübersichtlichkeit der örtlichen Gegebenheiten).

Am Abend fanden wir uns, nach einigem Hin und Her, auf einer Party wieder. Die Musik war ungewöhnlich: Hip-Hop, Rock, Pop in englischer Sprache. Klingt wie ungefähr jede Party? Dachte ich auch. Tatsächlich war das aber für israelische Verhältnisse bereits ungewöhnlich, da hier normalerweise eine enorme Menge an hebräischsprachigen Songs läuft. Wie dem auch sei, ich fühlte mich nicht in der Stimmung, zu derartiger Musik rhythmische Bewegungen zu vollführen – obwohl ich die Schallwellen gut leiden konnte! – dementsprechend war der Abend schon zu humaner Zeit zu ende.

Der nächste Tag sollte eigentlich eine umfassende Stadtführung umfassen, die um zehn Uhr startet und erst, wenn die letzten Busse ihren Betrieb shabbesbedingt eingestellt haben, enden sollte. Wie das jedoch so ist mit jungen Menschen, sind wir erst halb elf aufgestanden, waren einkaufen für das Frühstück etc., sodass sich die Abfahrt bis ca. halb zwei verzögerte. Unser Ziel war der Roboterzoo. Natürlich stellten wir uns unglaubliche Szenen vor, als wir allein den Namen hörten: Humanoide Maschinen, die sich gegenseitig das Existenzrecht streitig machen und dafür auch zu futuristischen Feuerwaffen greifen – eine Art Nahostkonflikt der Zukunft. Was uns erwartete war ziemlich trivial: Die Einrichtung war seit ein Uhr geschlossen. Wir – ungeachtet aller Widrigkeiten – setzten unsere Reise fort. Das nächste Ziel war ein Hanukkamarkt. Ich erwartete so etwas wie das jüdisch-israelische Pendant zu deutschen Weihnachtsmärkten. Meine Erwartungen wurden abermals weder bestätigt noch negiert: Auch das hätten wir für den nächsten Tag planen sollen. Am Ende unserer Stadttour stand etwas, was mir sehr viel über die Stadt Haifa und ihren Charakter erzählt hat: Ein Kinobesuch. Das Kino war in einer Allerweltsmall. (Mehr zu dem gesehenen Film in einem anderen Beitrag – vielleicht)

Am nächsten Tag hatten wir wirklich gut durchdachte Pläne: Um zwölf wollten wir an einer Führung zum Schrein des Baab, einem Heiligtum der Bahai teilnehmen, um später in der Roboterzoo zu gehen. Da das Wochenende unter dem Motto „unerfüllte Pläne“ stand, kam es nicht dazu.

Wir schlugen uns durch das regennasse, stürmische Haifa bis zum Eingang zu den Gärten, die zum Schrein hinab führen (nur Bahai dürfen die Treppen hinaufsteigen, „Ungläubige“ lediglich herab), gelangten, lasen wir ein Schild, welches uns mitteilte, dass Führungen abgesagt und die Gärten geschlossen sind, witterungsbedingt. Ein weiteres Häkchen auf der Liste „Pläne, die nicht in die Tat umgesetzt wurden“.

Die Bahai-Gärten
Das Gräuliche ist der Schrein, er wird gerade renoviert. Hoffentlich taucht Baab nicht genau in dieser Zeit aus dem Meer auf

Wenigstens gab es ein Lichtlein am Horizont: Der Roboterzoo hatte geöffnet und war bereit, von uns entdeckt zu werden. auch 64 Shekel Eintrittspreis hielten uns nicht davon ab, ihn zu betreten. Wir passierten den Eingang, unsere Erwartungen wurden – nicht erfüllt. Wie der Name andeutet, ist der „Roboterzoo“ eine Ausstellung von nachgebauten Tieren, plus einige Gimmicks für Kinder. Spass hatten wir dennoch. Auch im angeschlossenen „Technik“-Museum, welches Kindern mit spassigen Experimenten die Physik näherbringen soll, haben wir uns aufgehalten und wie alle anderen – meist jüngeren – Besucher amüsiert.

Die Giraffe
Die Giraffe, welche am Eingang des Roboterzoos den Besuchern präfiguriert, was zu sehen sein wird

Am Ende des Wochenendes habe ich mich auf eine dreieinhalbstündige Heimreise begeben. Auch wenn nicht alles so geklappt hat, wie wir es geplant hatten – wann ist das eigentlich jemals der Fall? – war es ein schönes Wochenende. Und schlussendlich ist auf eines immer Verlass: Den Genuss von selbst gekochtem Abendessen.

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10 Antworten auf „انا كونت في حيفا“


  1. 1 Dr. Ursula Schmolls 13. Dezember 2010 um 10:26 Uhr

    Hallo, mein lieber Cons,
    es war für dich wieder einmal eine super neue Erfahrung.
    „Nichts ist besser, als selbst gekochtes Essen“.
    Nach deiner kurzen Einführung wird offensichtlich in Israel sehr v8iel in das Militä investiert n(Züge voller Soldaten). Was aber sonst an Superlativen angepriesen wird, entpuppt sich als Luftblase. Trotzdem hast du wieder sehr viel neues Erfahren. Ich hatte allerdings vermisst, etwas über die jüngste Brandgeschichte aus Haifa zu erfahren. Habt ihr sicherlich bewusst ausgespart.
    Herzliche Grüße
    Oma Uschi

  2. 2 Rebecca 15. Dezember 2010 um 11:37 Uhr

    Der erste Haifa-Abstecher – sehr lobenswert!!!!!!!!!!!!!! ;)

  3. 3 Rebecca 10. Januar 2011 um 1:11 Uhr

    jaja, und dann ist das neue jahr, und es ist so viel los, und man muss den zurückgebliebenen nicht mehr schreiben, was so passiert….
    :P

  4. 4 bedouinteacher 12. Januar 2011 um 14:12 Uhr

    jaja, kommt bald was. es ist ein aufsatz über die missstände im bereich der bildung bei den beduinen geplant. erscheinungsdatum hängt davon ab, wie schnell der verlag druckt :P

  5. 5 Christiane 12. Januar 2011 um 18:00 Uhr

    oh jetzt nennt er sich auch noch bedouinteacher ;)

  6. 6 Rebecca 12. Januar 2011 um 22:49 Uhr

    ziemlich selbstverliebt, oder?
    ^^

  7. 7 bedouinteacher 16. Januar 2011 um 0:05 Uhr

    nunja, falls es euch entgangen sein sollte: das blog heisst so. und da ich dessen administrator bin, heisst auch der screenname in kommentaren so.
    und bei weiteren deratigen frechheiten werde ich eure IP für kommentare sperren!

  8. 8 Rebecca 16. Januar 2011 um 0:16 Uhr

    das wär doch auch langweilig, dann kommentiert hier ja gar keine_r mehr! ;)

    freu mich auf den bildungsartikel

  9. 9 bedouinteacher 16. Januar 2011 um 0:49 Uhr

    whoops, das war eher son geschnacke. aber ich werde mal was zusammenschriebseln

  1. 1 Rundumschlag im neuen Jahr « Als Lehrer in der Wüste Pingback am 16. Januar 2011 um 0:26 Uhr
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