I‘m awesome.

Man kann ja nicht behaupten, dass so ein Freiwilliger immer nur arbeitet und nie spielt. Am Montag war wieder einmal eine Gelegenheit, das Gegenteil zu beweisen. Einige Mitglieder unserer Freiwilligengruppe haben eine Einladung zum Empfang mit dem Bundespräsidenten erhalten. Weil ich offensichtlich Eindruck auf eine Mitarbeiterin der deutschen Botschaft, die mich einmal in Rahat besucht hat, gemacht habe. Das habe ich über Umwege erfahren. ASF sollte eigentlich nur Freiwillige aus Jerusalem für den Empfang vorschlagen. Dann kam Frau X. und sagte: „Aber der nette junge Mann aus Beer Sheva sollte auch kommen.“ So bekam ich eines Tage folgende Zeilen zu lesen:
Meine Einladung zum Empfang mit dem Bundespräsidenten

Als der Tag dann genaht war, habe ich mich direkt von der Arbeit mit einem Rucksack auf den Weg nach Jerusalem gemacht. Dort angekommen blieb wenig Zeit für eine Stippvisite in der Freiwilligen-WG, bevor wir aufbrechen mussten zum King David Hotel. Nach einiger Irrfahrerei aufgrund einer Fehlinformation des sonst so unfehlbaren Freiwilligensprechers (von mir ehrfürchtig „Chef“ genannt) sind wir tatsächlich angekommen. Ich habe dann bereits meine Füsse gespürt (die Schuhe meines Mitbewohners waren eine halbe Nummer zu klein, das merk ich immer noch). Nichtsdestotrotz habe ich mich souverän auf dem Parkett bewegt, wenngleich ein wenig humpelnd.

Nach Einlass in den Empfangssaal des Hotels (durch Vitamin B umging ich die Leibesvisitationen, die meine Kollegen über sich ergehen lassen mussten) wurde ich aufgefordert, mich an genau eine Stelle zu platzieren, um dort ein Gespräch mit Christian Wulff zu haben. Nachdem er dann mit gebührlicher Verzögerung und obligatorischer Rede angekommen und bereit zum Gespräch war, habe ich ihn in meinen Bann gezogen:
Ich erzähle, Wulff ist gebannt
Bild gemacht vom Bundespresseamt, Rechte liegen dort

Es ging um die beduinische Gesellschaft in Israel und deren Situation, Probleme und Aussichten. Der Herr Bundespräsident tat zumindest interessiert und hat sogar ein paar Rückfragen gestellt. Bevor ich jedoch zum delikateren Teil der Konversation übergehen konnte, war die „Audienz“ auch schon wieder beendet, weil sich andere Leute zwischen mich und Herrn Wulff gedrängt hatten. Wozu sind die Bodyguards eigentlich da?

Nachdem beim Empfang noch ausgiebig gespeist und getrunken wurde, brach die „Jugenddelegation“ inklusive Wulffs Tochter noch in eine Kneipe auf, in der wir, die Freiwilligen von ASF, natürlich schon vorher zu finden waren.

Fazit des Abends: Kurz Polit-Prominenz die Hand geschüttelt, gut gespeist, meine beste Nacht in Israel gehabt (tatsächlich schläft es sich in einem 5-Sterne-Hotel anders als auf einer Matratze auf dem Fussboden; an dieser Stelle nochmal danke, Rebecca, dass ich diese Feststellung machen konnte) und ein super grosses und super weiches Handtuch abgegriffen. Hakol Besseder!

Weiterverbreiten
  • Facebook
  • Twitter
  • studiVZ meinVZ schülerVZ
  • del.icio.us
  • email

4 Antworten auf „I‘m awesome.“


  1. 1 Mama 03. Dezember 2010 um 21:59 Uhr

    Ja wirklich, dass ist unglaublich. Du sprichst mit unserem Bundespräsidenten. Er schaut nun höflich aber immerhin.
    Super. Ohne Bart gefällst du mir besser. Wo hast du das Hemd her? Ich gönne dir die Nacht in dem Hotel, das mit dem Handtuch ist … nun ja.
    Ich bin stolz auf dich und habe dich sehr, sehr lieb.
    Bis Sonntag.
    deine Mama

  2. 2 Dr. Ursula Schmolls 04. Dezember 2010 um 12:52 Uhr

    Hallo Cons,
    schade,dass dich dein Opa Rainer nicht so erleben konnte.
    Natürlich bin ich auch stolz auf dich. Du hast also schon ordentlich Eindruck hinterlassen.
    Wichtig scheint mir deione Erkenntnis, wie gut du es doch zu Hause hast.
    Aber all deine Erlebnisse wiegen doch auch die Strapazen auf.
    Herzliche Grüße
    Oma Uschi

  3. 3 Rebecca 10. Dezember 2010 um 21:15 Uhr

    Bitte bitte, immer wieder gerne ;)

    Ich hoffe, im Gegenzug steht das Asyl in Be`er Sheva im März noch? Anne und ich haben gebucht – juhuuuu!!!

  4. 4 Walter Schmidt 13. Dezember 2010 um 0:16 Uhr

    Ja, ja, der Schülersprecher Wulff …
    In einer seiner nächsten großen Reden wird er sicher sagen:
    Die Beduinen gehören zweifelsfrei zu Deutschland!
    LG
    W.S.

Die Kommentarfunktion wurde für diesen Beitrag deaktiviert.