Archiv für Dezember 2010

انا كونت في حيفا

(Arabisch; Transkription: aná kúnt fii heefa; Übersetzung: Ich war in Haifa)

Haifa fehlte mir noch auf meiner „Die drei grössten Städte Israels besuchen“-Liste. Am Donnerstag konnte ich hinter die Buchstaben Chet, Iod, Pey, Hey – so wird Haifa auf Hebräisch geschrieben – ein Häkchen machen. Nach einem aufregenden Tag (Katharina – effektiv meine Chefin – besuchte mich in Rahat und redete ein ernstes Wörtchen mit Shahar Hadash, der Organisation, welche mein Projekt betreut, über die Finanzen; ich hielt die erste Stunde Deutschunterricht mit Überlebenden aus Tschernowitz und hatte mein Essen im Kühlschrank vergessen) sass ich mit gefühlten 1000 Soldaten und 200 Zivilpersonen im Zug Richtung Norden. Als ich in Haifa ankam, bin ich direkt eine Haltestelle zu spät ausgestiegen und musste noch eine dreiviertel Stunde an der Haltestelle bzw. im Bus sitzend verbringen, bis ich die Strasse, in welcher die Freiwilligen in Haifa wohnen, erreicht hatte. Bis ich ihre Wohnung tatsächlich betreten hatte, vergingen weitere 15 Minuten (das lag an der Unübersichtlichkeit der örtlichen Gegebenheiten).
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Apokalypse wann anders

Hier nun ein fun fact: heute gab es in der Wüste Negev so eine Art Sandsturm. Alteingesessene Beduinen teilten mir mit, das sei nicht der Rede wert. Für mich war es schon so eine Art Untergangstimmung: trüber Himmel, heftiger Wind, Staub wehte einem in die Augen, Müll flog umher, Bäume wurden entastet, die Sicht war auf wenige hundert Meter begrenzt. Meine Schüler erschienen nicht in ausreichender Zahl zum after school program, wo ich mit ihnen informal education betreibe – also Sachen wie: wir sprechen über unsere Wochenenden, stimmen ab, was wir machen wollen und erzählen uns etwas über unseren Lieblingspopstar; alles Sachen, die im Unterricht – an meiner Schule zumindest – weder denk- noch durchführbar sind. Leute waren kaum auf den Strassen unterwegs, es herrschte ein zögerliches Abwarten, ob die Welt tatsächlich heute ihr Ende finden würde. In dieser Situation, in welcher nicht klar war, ob man morgen noch seinem normalen Tagesablauf folgen könnte oder stattdessen im Jenseits erwacht, passierte das Unmögliche.
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I‘m awesome.

Man kann ja nicht behaupten, dass so ein Freiwilliger immer nur arbeitet und nie spielt. Am Montag war wieder einmal eine Gelegenheit, das Gegenteil zu beweisen. Einige Mitglieder unserer Freiwilligengruppe haben eine Einladung zum Empfang mit dem Bundespräsidenten erhalten. Weil ich offensichtlich Eindruck auf eine Mitarbeiterin der deutschen Botschaft, die mich einmal in Rahat besucht hat, gemacht habe. Das habe ich über Umwege erfahren. ASF sollte eigentlich nur Freiwillige aus Jerusalem für den Empfang vorschlagen. Dann kam Frau X. und sagte: „Aber der nette junge Mann aus Beer Sheva sollte auch kommen.“ So bekam ich eines Tage folgende Zeilen zu lesen:
Meine Einladung zum Empfang mit dem Bundespräsidenten
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