Archiv für November 2010

Hammelkeule zum Frühstück

Heute war das islamische Opferfest, und ich war bei Chamiz, dem Direktor unserer Schule, eingeladen, um diesen feierlichen Anlass zu begehen. Da das Fest sehr früh morgens beginnt, habe ich sogar die Nacht in Rahat zugebracht. Nachdem mein Bus – dieselbe Linie, die mich jeden morgen zur Schule bringt – einen Reifenplatzer hatte und ich nach einigen Minuten Warten sowie Kommunikation mit Händen und Füssen endlich in Rahat angekommen war, gab es dann auch gleich etwas zu essen. Aufgetragen wurden كفتة (kufta, auch bekannt als Köfte), Salat, Hommus und Pitabrot. Gegessen wird bei Beduinen nur selten mit Besteck. Nur der Salat wurde von der sechsköpfigen Familie (was eine Kleinfamilie ist, in beduinischen Massstäben gemessen) mit der Gabel verzehrt. Die kufta wurde gegessen, indem man sich ein Stück vom Pitabrot abreisst, und dann versucht, mit der Hand etwas vom Fleisch zu greifen. Wer weiss, dass Köfte aus Hackfleisch gemacht wird, kann sich vorstellen, dass die Hände dabei nicht sauber bleiben. (mehr…)

Selbsterkenntnis am Bahnhof

Klionsky: Waiting for the Train, 1986
Marc Klionsky: Waiting for the Train, 1986. Öl auf Leinwand

Eine Frau wartet an der U-Bahnstation auf den Zug. Sie hat vier Kinder im Schlepptau, davon eines noch im Buggy, und ist erneut schwanger. Ihr Blick geht in eine Richtung vorn links, ihr stierer Blick zeigt keinerlei Zeichen von Emotion. Auch drei der Kinder schauen in Richtung des Betrachters, auch wenn sie ihn nicht direkt betrachten. Die Gesichtsausdrücke der Kleinen zeigen jedoch keine Starre wie die der Dame, sondern sind von Besorgnis gezeichnet. Das Kleinkind im Kinderwagen scheint sogar zu weinen.
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Generalstreik

Aufgrund einer von israelischen Bulldozern zerstörten Moschee bin ich heute umsonst in die Schule gekommen. In ganz Rahat wurde ein Generalstreik ausgerufen, nachdem die Abrisstruppen (die rund 5000 Soldaten, Polizisten und Sanitäter umfassten) abgezogen waren. Statt Unterricht zu erteilen und Methoden zur Verbesserung desjenigen zu erarbeiten, sass ich im Lehrerzimmer herum und habe Klausuren korrigiert. (Die sind übrigens weitgehend zufriedenstellend ausgefallen.) Dazu habe ich mir Gedanken über die Umstände und Vorgehensweise gemacht. (mehr…)