Arabisch, Busse und Tel Aviv

Nach wochenlangem Ausharren im Beit Ben Yehuda, dem Gästehaus, welches auf mir immer noch nicht ganz verständliche Weise mit ASF verbunden ist, habe ich endlich den Weg in die Wüste angetreten. Vorher jedoch gibt es noch einiges zu berichten.

Am 1. Oktober, nachdem das Einführungsseminar für die meisten der Freiwilligen – bis auf diejenigen, die Arabisch lernen mussten – vorbei war, habe ich mich zusammen mit den dreien, die in Tel Aviv in einer WG leben, aufgemacht. Nach drei Woche Seminarkoller musste ich wenigstens für einen Tag das Gästehaus hinter mir lassen. Den Kollegen war’s recht, so konnte ich beim Schleppen des Gepäcks helfen (4 Riesenkoffer für drei Personen plus Rucksäcke). Dafür bin ich jetzt so etwas wie der vierte Mitbewohner. Die Ankunft war ziemlich ernüchternd: Die Wohnung liegt zwar unweit von Yafo, der arabischen Stadt, die mittlerweile Teil Tel Avivs ist, ist aber nicht unbedingt als malerisch zu bezeichnen. Die Zustände der Wohnung sind teilweise katastrophal, was die bauliche Substanz als auch das Mobiliar angeht. Als Beispiel zeige ich den Herd.
Der Herd, das Essen war aber lecker
Nach dem ersten Schock haben sich die Betroffenen dann doch erholt und mit zwei (später drei) ungebetenen Gästen die ersten Tage in ihrer Wohnung verbracht. Am Samstag waren wir am Strand, ich denke, dass das nicht viele von sich behaupten können. Ich wohne jetzt ein Jahr in dem Klima, in welchem die meisten gern Urlaub machen!
Der Blick auf Yafo vom Strand aus
Danach ging es wieder zurück nach Jerusalem für fünf Tage Intensivkurs Arabisch. Der Kurs war sehr interessant und hat einige Einblicke in das Arabische gegeben. Unser Lehrer war ein Dozent der Hebräischen Universität in Jerusalem, der seine Doktorarbeit (400 Seiten!) über den arabischen Subjunktiv geschrieben hat. Kein Muttersprachler zwar, aber doch jemand, der prädestiniert ist, Unwissenden eine Ahnung von der arabischen Sprache einzugeben. Durch seine Profession – er ist Linguist – konnte er uns oftmals Gemeinsamkeiten zwischen verschiedenen Sprachen aufzeigen und so das Verständnis erleichtern. Ich würde nach den fünf Tagen, an denen wir jeweils drei mal 1,5 Stunden Unterricht hatten, nicht von mir behaupten, Arabisch sprechen zu können, jedoch hat man uns eine gute Basis gegeben, um im Selbststudium mit der Sprache vertraut zu werden. Dazu haben wir Bücher mit Hör-CDs bekommen. Ausserdem werden wir fünf, die den Kurs hatten, auch in den Projekten mit Arabisch konfrontiert werden und somit früher oder später ein Gefühl dafür entwickeln müssen.

Während des Kurses haben wir zwar kein Seminarprogramm gehabt, jedoch war jeden Tag irgendwas los, sodass wir nicht wirklich zu den zwei Stunden Wiederholung kamen, die uns unser Lehrer angeraten hat. Eines Abends hat uns der nette alte Herr, mit dem ich auch bei den Toten Hosen war, zum Abendessen geladen. Der Abend war sehr gesellig mit leckerem Essen und netten Gesprächen. Ich werde noch des Öfteren mit Jakob zu tun haben, sodass ich auch noch mehrfach von seiner Gastfreundlichkeit profitieren kann. Da gibt es so einen speziellen Schrank…

Am Donnerstag, den 7. Oktober, Tag der Republik, waren wir paradoxerweise zum deutschen Botschafter geladen, um den Tag der deutschen Einheit zu feiern. Deshalb machten wir uns von Jerusalem auf den Weg über Tel Aviv nach Herzliya, ein wenig nördlich von Tel Aviv, um dort mit 1000 anderen geladenen Gästen die Feierlichkeit zu begehen. Der Weg war sehr schwierig. Nachdem ich meine gesamten Klamotten, die ich mitnehmen musste, da ich am nächsten Tag weiter nach Beer Sheva wollte, in der Tel Aviver WG abgeladen hatte, mussten wir quasi auch schon wieder los zur zentralen Busstation, um eine weitere Freiwillige zu treffen und gemeinsam in den Bus nach Herzliya zu steigen. Aus dem ersten wurden wir wieder herausgebeten, weil er trotz richtiger Nummer angeblich nicht der richtige war. Der Richtige war dann aber doch der Falsche, weil wir statt einer Direktverbindung eine Linie erwischt hatten, die jede Haltestelle abklappert. Es war schon nach 7, als wir in Herzliya am Busbahnhof ankamen. Von da aus mussten wir noch fast 20 Minuten Taxifahrt über uns ergehen lassen, bis wir endlich in einem Villenviertel von Herzliya-Pituach angekommen waren. Dort sind Johannes und ich dann direkt zum Zapfhahn und Büfett gegangen, ohne einen Uniformträger, der sich prominent am Eingang positioniert hatte, die Hand zu schütteln. Unsere Kollegen meinten, das wäre der Botschafter gewesen, wie sich später herausstellte, war er es nicht.

Der ganze Empfang war sehr seltsam, es gab ständig Häppchen und Alkohol, jedoch bis auf zwei Reden von irgendwelchen Funktionären keine Programmpunkte. Wir Freiwilligen kamen uns unter den ganzen Menschen in Abendgarderobe ziemlich underdressed vor. Wir wurden aber nicht so angeschaut. Die ganze Veranstaltung war nach zwei Stunden auch schon wieder vorbei, und wir traten den Heimweg an. Der war nicht weniger beschwerlich als der Hinweg, nur dass nun auch keine Busse mehr fuhren. Wir fanden glücklicherweise ein Sherut, ein Sammeltaxi, das uns bis zur Central Station nach Tel Aviv mitnahm – für gerade mal einen halben Shekel mehr als der Bus. Dort mussten wir dann aber eine Weile auf das Verhandlungsgeschick von Karen, einer unserer Mitfreiwilligen, verlassen, bis wir dann endlich für 30 Shekel in die Wohnung gefahren wurden.

Am nächsten Tag waren viele Freiwillige mit Kater zu sehen, die sich dann Richtung Strand aufgemacht haben. Dort hat es dann aber witzigerweise geregnet. Ich habe nach einem simplen Frühstück und einem Kaffee, sowie einer pita falafel, meinen ganzen Kram wieder zusammengeräumt und mich aufgemacht nach Beer Sheva.

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2 Antworten auf „Arabisch, Busse und Tel Aviv“


  1. 1 Christiane 13. Oktober 2010 um 9:34 Uhr

    Doch ich wohne auch am Strand ;) , aber leider haben wir das Klima nicht dazu :( Das mit der Wohnsituation ist ja nicht so schön, aber dann müsst ihr halt alle kleine Heimhandwerker werden und euch das selbst schön machen… wenn ihr die Möglichkeiten habt an Werkzeug und Material zu kommen. Aber das hört sich ja sehr abenteuerlich an :)

  2. 2 Dr. Ursula Schmolls 22. Oktober 2010 um 10:56 Uhr

    Hallo, lieber Cons,
    aus deinem Bericht kann ich erkennen, dass ihr alle ganz schön gestreßt seid. Ihr habt so einen Eindruck gewonnen, wie gut ihr es in Deutschland habt. Wie ich dich kenne, nutzt du all diese Erfahrungen, um nach der Rückkehr in einem Jahr voll durchzustarten.
    Solcherart Erfahrungen musste unsere Generation navch dem Krieg auch durchstehen. Ich muss dir sagen, es hat mir geholfen, zu kämpfen.
    Ich denke aber, du wirst auch ganz viele positive Dinge erleben, von denen du auch berichten kannst.
    Laß dich ganz herzlich grüßen von deinem Oma Uschi

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