Yom Ha‘Azma‘ut & Yom Al-Nagba

Der Abend vom 9. auf den 10. Mai war der Übergang zweier wichtiger Tage in der israelischen Gesellschaft. Am neunten Mai wurde Yom Hasikaron, der Soldatengedenktag begangen. Es wurde, unter anderem mit zwei Sirenen, einmal am 8. Mai abends (weil die Tage nach jüdischem Kalender immer abends beginnen) sowie am 9. um 11 Uhr, den Gefallenen aus allen Auseinandersetzungen um den Staat Israel gedacht. Das schliesst auch die Gefallenen vor der Staatsgründung ein. Fast 23.000 Menschen sind bisher in Kriegen um das Land Israels gefallen. Darunter, das hat Shimon Peres bei seiner Rede auf der offiziellen Gedenkveranstaltung betont, auch Muslime, Christen und Drusen. Damit sollte ein Ausschluss der arabischen Gefallenen beim Gedenken widerlegt sein, als einen solchen man den ganzen Tag hätte deuteln können. Vom Abend an gab es kein „unterhaltendes“ Fernsehprogramm mehr, nur einen Film über die Geschichte der IDF (Israeli Defense Forces), ansonsten Kerzen und einen Namensliste, die den ganzen Tag alle drei Sekunden einen neuen Gefallen anzeigt. Laute Musik sowie jeglicher Spass war verpönt.
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Doktor Faustus

Durch einen glücklichen Umstand konnte ich, bevor mich die herangenahte Familie mit neuem Lesestoff versorgte, die Durststrecke überwinden. Die WGs meiner Freiwilligen-Kollegen sind mit einigen Büchern angefüllt, viele politische Sachbücher, Sachen, die Israel betreffen, und auch „Belletristik“ im weiteren Sinn. So kam ich dazu, nachdem ich in der elften Klasse beim geschätzten Herrn Böhme einen kurzen Ausschnitt gelesen habe, Thomas Manns ersten Nachkriegsroman „Doktor Faustus – Das Leben des deutschen Tonsetzers Adrian Leverkühn erzählt von einem Freunde“ in die Finger zu bekommen, in einer Paperback-Ausgabe des S. Fischer-Verlags von 1960, in Israel erstanden, denn in der Innenseite klebt ein Sticker eines Buchhandels in Haifa.
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Pessach, Hitze und Jericho

Einige Zeit ist vergangen seit dem letzten Eintrag auf diesem Blog. Natürlich ist auch einiges passiert, von dem ich hier nur ausschnitthaft berichten kann. In der Woche vor Ostern begann mit dem Sederabend das jüdische Passahfest (auf Hebräisch פסח = Pessach), mit dem dem Auszug aus Ägypten gedacht wird. (Nachzulesen in 2. – 5. Mose, speziell das Buch Exodus sowie die Hagaddah) Damit war die erste jüdische Diaspora beendet worden. Zur Erinnerung des Darbens in der Wüste, wo man kein Brot gehabt habe, wird in Israel alles kascher lepessach (כשר לפסח = koscher für Pessach) gemacht, das bedeutet, dass alle Produkte, die mit Hefe oder ähnlichem in Berührung gekommen sind, aus dem Haushalt entfernt werden. Bei grossen Einrichtungen wäre das nahezu unmöglich, sodass Universitäten etc. geschlossen bleiben. Desweiteren bedeutet kasher lepessach, dass es während der Pessachwoche kein Brot, Bier, Cornflakes etc. zu kaufen gibt (zumindest in Läden, die die strengen Vorschriften befolgen; arabische und russische Läden tun das tendenziell nicht). Als Ersatz für Brot gibt es mazza, eine Art Knäckebrot, welches aus dem speziellen Mazemehl gemacht wird und eigentlich nach nichts schmeckt. Besonders in Jerusalem werden die kashrut-Regeln für Pessach gewissenhaft eingehalten, weshalb meine Gäste aufgejubelt haben, als Pessach letzten Dienstag endlich vorbei war.
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אילת בשבת

(hebr. „Eilat beShabbat“, Übersetzung: Eilat am Sabbat)
Nachdem ich schon einmal in Eilat war, aber eigentlich nur als Zwischenstation auf dem Weg nach Jordanien (Artikel folgt), ging es dieses Wochenende dezidiert dorthin. Es herrschte eine Hitzewelle und ich wollte mit dem Chef und einem Kollegen die Stadt besuchen, um einen eigenen Eindruck der von ehemaligen Freiwilligen geäusserten Abneigung entgegenzusetzen.
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Land Day

Heute wird in weiten Teilen der palästinensischen Bevölkerung gestreikt. Der Anlass war eine Entscheidung der israelischen Regierung 1976, arabischen Landbesitz zu konfiszieren. Seither wird jeden 30. März ein Generalstreik abgehalten. (nähere Informationen hier)

Ich unterstütze jegliche Form des gewaltlosen Protests gegen die Ungerechtigkeiten der israelischen Regierung. Jedoch halte ich es für gefährlich, dass man die Schule ausfallen lässt, ohne für dafür zu sorgen, dass die Schüler über die Hintergründe informiert werden (und so wie ich das sehe, ist das nicht passiert). Das führt dazu, dass in der jungen Generation eine unreflektierte Feindschaft entsteht.

Natürlich sind die Landnahmen der israelischen Regierung willkürlich und ungerecht. Jedoch Sollte dafür gesorgt werden, dass Schüler informiert werden, um dem Konflikt mit Fakten, statt mit blossen Emotionen zu begegnen.